Die Serra de Tramuntana, eine einzigartige Kulturlandschaft im Mittelmeerraum
Die Serra de Tramuntana erstreckt sich über fast 90 Kilometer im Nordwesten Mallorcas, von Andratx bis zum Kap von Formentor, und trennt die schroffste Küste der Insel vom landwirtschaftlich geprägten Inland. Sie ist nicht nur eine Gebirgskette: Es ist eine Landschaft, die über Jahrhunderte vom Menschen geformt wurde, mit Trockensteinterrassen, jahrhundertealten Olivenhainen, Wasserkanälen andalusischen Ursprungs und Wegen, die einst von Köhlern, Schneesammlern und Hirten genutzt wurden. Deshalb erklärte die UNESCO sie am 29. Juni 2011 in der Kategorie Kulturlandschaft zum Weltkulturerbe.
Ein Besuch verbindet zwei sehr unterschiedliche Erlebnisse: die Dörfer und Aussichtspunkte mit dem Auto (oder mit dem historischen Zug von Sóller) zu erkunden und die Wanderschuhe zu schnüren, um auf Pfaden zu laufen, die seit Generationen in den Fels gezeichnet sind. Dieser Reiseführer zeigt, was du sehen solltest, wie du dich fortbewegst, und die Routen, die die Bergkette am besten zusammenfassen, mit aktuellen Öffnungszeiten und Preisen.
Was man in der Serra de Tramuntana sehen sollte
- Valldemossa und die Real Cartuja, mit ihrer Chopin-Tradition
- Deià, das Künstlerdorf über dem Meer
- Sóller und Port de Sóller, verbunden durch die jahrhundertealte Straßenbahn
- Fornalutx, eines der reizvollsten Dörfer der Insel
- Sa Calobra und der Torrent de Pareis, zwischen Schwindel erregender Straße und Schlucht
- Banyalbufar und Estellencs, mit ihren Marjades (Terrassen) über der Steilküste
- Das Kloster von Lluc, das spirituelle Herz der Bergkette
- Aussichtspunkte wie Ses Barques oder Ricardo Roca, mit Blick auf die Nordwestküste
Premium-Tour: Versteckte Wunder der Sierra de TramuntanaVerfügbarkeit prüfen →Valldemossa und die Real Cartuja
Valldemossa ist von Palma aus das klassische Tor zur Bergkette: gepflasterte Gassen, Geranientöpfe und die Silhouette der Real Cartuja, die das Dorf überragt. Das Kloster, in dem Frédéric Chopin und George Sand den Winter 1838-1839 verbrachten, kann von innen besichtigt werden, mit im Eintrittspreis inbegriffenen Klavierkonzerten.
Der Zug und die Straßenbahn von Sóller, die schönste Art, die Bergkette zu überqueren
Der Zug von Sóller durchquert das Gebirge von Palma aus in etwas mehr als einer Stunde, fährt durch den Tunnel des Coll de Sóller und vorbei an Orangenhainen, bevor er das Tal erreicht. In Sóller besteht Anschluss an die historische Straßenbahn, die hinunter nach Port de Sóller fährt, der natürlichen Bucht, in der die Strecke endet – mit einer Strandpromenade, ideal für ein Essen direkt am Meer.
Deià und Fornalutx, die Steindörfer
Deià hat sich international einen Namen gemacht durch sein Licht und als Zufluchtsort für Schriftsteller wie Robert Graves, ist aber weiterhin ein kleines Dorf mit goldfarbenen Steinhäusern, die sich zur Kirche hinaufziehen. Es lohnt sich, hinunter zur Cala Deià zu gehen, einer Kiesbucht zwischen Klippen, und sich in den autofreien Gassen zu verlieren. Fornalutx, wenige Minuten von Sóller entfernt, ist noch beschaulicher: Orangenbäume auf den Plätzen, Steinfassaden und so enge Gassen, dass man sie nur zu Fuß erkunden kann.
Sa Calobra und der Torrent de Pareis
Die Straße Ma-10 nach Sa Calobra (Ma-2141) ist eine der spektakulärsten Spaniens: 14 Kilometer enger Kurven, die bis zum Meer hinabführen, mit dem berühmten Nu de sa Corbata, der Kurve, in der die Straße unter sich selbst hindurchführt. Unten wartet der Torrent de Pareis, eine Schlucht, die im Gebiet von S'Entreforc entspringt und zwischen zwei nahezu senkrechten Felswänden mündet – eines der meistfotografierten Postkartenmotive Mallorcas. In der Hochsaison ist der Verkehr überlastet, daher empfiehlt es sich, früh aufzubrechen oder eine Anreise mit dem Boot von Port de Sóller in Betracht zu ziehen.
Die Jardines de Alfabia
Am Fuß des Coll de Sóller liegen die Jardines de Alfabia, ein Herrenanwesen islamischen Ursprungs mit Teichen, jahrhundertealten Palmen und einem Bewässerungskanal, der den Garten noch heute so bewässert wie vor Jahrhunderten. Es ist ein kurzer und sehr lohnender Zwischenstopp vor oder nach der Durchquerung des Tunnels nach Sóller, besonders mit Kindern.
Alfabia-Gärten: Haus, Garten und ObstgartenVerfügbarkeit prüfen →Beste Wanderrouten: der GR-221, Ruta de Pedra en Sec
Der GR-221 oder Ruta de Pedra en Sec ist die große Durchquerung der Bergkette: Er verbindet Port d'Andratx mit Port de Pollença entlang der alten gepflasterten Wege, mit einem Netz von Berghütten zum Übernachten in jeder Etappe. Man muss ihn nicht komplett gehen, um ihn zu genießen: einzelne Abschnitte wie Deià-Sóller oder Valldemossa-Deià eignen sich perfekt für eine Tageswanderung mit Meerblick, Oliventerrassen und einigen Abschnitten durch Steineichenwald.
La Serra de Tramuntana: Wandern und Paella über Holzfeuer in EsporlesVerfügbarkeit prüfen →Esporles und die Gastronomie der Bergkette
Esporles, am Fuß der Bergkette auf dem Weg nach Valldemossa, ist eine gute Basis, um leichtes Wandern mit lokaler Gastronomie zu verbinden: Bauernhäuser, über Holzfeuer zubereitete Reisgerichte und eine Gemüsegarten-Tradition, die man in jedem Gericht spürt. Es ist zudem einer der bequemsten Ausgangspunkte, um die Steinwege zu erkunden, ohne das Auto nehmen zu müssen.
Anreise und praktische Tipps
- Mit dem Auto: die Ma-10 durchquert die gesamte Bergkette von Andratx bis Pollença; sie ist die Hauptverbindung zwischen den Dörfern
- Begrenzte Parkmöglichkeiten in Valldemossa, Deià, Fornalutx und Sa Calobra in der Hochsaison: früh ankommen oder mit Zug/Bus fahren
- Der Zug von Sóller ist die bequemste autofreie Alternative, um die Bergkette von Palma aus zu überqueren
- Wanderschuhe, Wasser und Sonnenschutz auch bei kurzen Routen mitnehmen: Auf manchen Abschnitten gibt es wenig Schatten
- Der Frühling und der Herbst sind die besten Jahreszeiten zum Wandern; im Sommer sollte man wegen der Hitze sehr früh aufbrechen